19. NOVEMBER 2018

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Wie fertigt Siro?


Der Blick in die Fertigungshallen eines Senkrechtstarters aus Zerbst zeigt Hightech gepaart mit dem Organisationstalent des Chefs, viel Personal und überraschenderweise kaum Automation.

1997 mit sieben Mann gestartet und heute ein 245-Mann-Betrieb, das ist die Personalseite des Blechverarbeiters Siro - Blechbearbeitung & -lackierung GmbH aus Zerbst in Sachsen-Anhalt. »80 Prozent der in den letzten vier Jahren eingestellten Mitarbeiter waren Arbeitslose oder Umschüler«, so Firmenchef Siegfried Roßfeldt. Unterstützung in der Mitarbeitergewinnung erhielt er auch vom Arbeitsamt und dem VHS-Bildungswerk in Zerbst. Siro bildet inzwischen selbst aus und so können die 20 Auszubildenden sich selbst die Basis für eine Zukunft schaffen. Alles setzt auf Automation - und Siro? Heißt es nicht Gewinnmaximierung? Sind die Löhne in Deutschland nicht zu hoch? Warum verzichtet Siro dann auf die Automatisierung?

Umformer und Spaner

1997 begann der sagenhafte Aufstieg von Siro mit einer Starthilfe des Emag-Chefs Norbert Heßbrüggen. Auf dem riesigen Gelände der WZ (Werkzeugmaschinenfabrik Zerbst GmbH) stand bereits eine Halle, die der Blechfertiger nutzen konnte. »Unsere Kunden sind zu 90 Prozent die Emag-Unternehmen, für die wir unter anderem komplett geschweißte Maschinenbetten für Bearbeitungszentren, Umhausungen sowie Eingussteile für Polymerbeton-Maschinenbetten fertigen«, erklärt Siegfried Roßfeldt. Er bemüht sich, den nicht von Emag stammenden Auftragsanteil von derzeit zehn Prozent durch Gewinnung weiterer Kunden kontinuierlich zu erhöhen, wenngleich er bisher mit dieser engen Bindung nicht schlecht gefahren ist. Die Erfahrung im Bereich Blech- und Schweißkonstruktionen sowie in der Großteilefertigung hat dem Unternehmen einen kontinuierlichen Entwicklungsschub beschert. So betreibt Roßfeldt neben der inzwischen von 1.400 auf 12.500 Quadratmeter angewachsenen Blechfertigung an einem weiteren Standort in einem Fertigungsbetrieb in Zerbst mit eigener Mannschaft die spanende Großteilefertigung. Hierzu stehen ihm vier Bearbeitungszentren von Burkhardt + Weber (zwei 750er, ein 900er und ein 1200er) zur Verfügung. Des Weiteren betreibt er hier eine Schleiferei mit vier Schleifmaschinen (eine ELB-Flachschleifmaschine mit zwei Metern Schleiflänge sowie drei Naxos-Schleifmaschinen). Die Perlen seines Maschinenparks für die spanende Großteilefertigung bilden seine WFL Millturn 65, ein komplexes Großdrehbearbeitungszentrum sowie zwei Waldrich-Großbearbeitungszentren (Multitec). »In die spanende Großteilefertigung habe ich in den letzten zwei Jahren über 16 Millionen Euro investiert«, so der Firmenchef.

12.500 km Laserschnitt pro Jahr

Rückgrat seines Unternehmens ist jedoch weiterhin die Blech- und Schweißkonstruktionsfertigung. Im eigenen Konstruktionsbüro arbeiten 16 Mitarbeiter, davon vier Männer. Da die gängigen Losgrößen von Siro zwischen eins und fünf liegen, hat Roßfeldt auf die komplette Automatisierung seines Maschinenparks verzichtet. Vier Flachbett-Laserschneidmaschinen von Trumpf (zwei 3030 mit 1,8 kW für Schnitttiefen bis 12 Millimeter sowie zwei 3050 mit 5 kW Laserleistung für 25 Millimeter Schnitttiefe) sorgen für den Nachschub für seine Abkantpressen. »Wir setzen hier ausschließlich Trumpf-Maschinen ein. Alle ausgerüstet mit der Biegeradiuskorrektur, die wir wegen der hohen Teilevielfalt zu 100 Prozent nutzen«, erklärt Siro-Chef Roßfeldt. Neben einer Gesenkbiegepresse V 85 stehen seiner Blechfertigung zwei V 130 und eine V 400 von Trumpf/EHT zur Verfügung. Zudem setzt Siro noch die Trumpf-Stanznibbelmaschine TC 200 ein, die auch zum Bohren und Gewindeschneiden genutzt wird. »Wir bearbeiten hier Bleche von 0,5 bis 25 Millimeter Dicke. Nur wenn die Bleche dicker sind (bis 200 Millimeter), kaufen wir zu.« Angesprochen auf die Leistung, die seine Laserschneidmaschinen im Jahr erbringen müssen, ist Dipl.-Ing. Siegfried Roßfeldt selbst überrascht: »Nun, die Schnittleistung lässt sich ja schnell ausrechnen: Eine Tonne Stahl ergibt etwa 50 Blechtafeln (2,5 Millimeter dick à 3 x 1,5 m). Wir verarbeiten im Jahr 5.000 Tonnen Stahlblech«, so Siegfried Roßfeldt. »Das entspricht einem Jahresverbrauch von 250.000 Blechtafeln - oder als Fläche ausgedrückt: 1.125.000 Quadratmeter! Und pro Blechtafel kommen wir auf eine durchschnittliche Schnittlänge von 50 Metern.« Das bedeutet die gewaltige Jahresgesamtschnittlänge von 12.500.000 Metern oder, kurz gesagt, 12.500 km. Eine gewaltige Schnittleistung für seine vier Trumpf-Flachbettlaserschneidanlagen.

Inklusive Anarbeitung

Da Siro zahlreiche Baugruppen fertigt, beherbergt die Blechfertigung eine leistungsfähige Schweißerei sowie eine spanende Teilefertigung für die Anbauteile. Drei Bearbeitungszentren von DMG (eine DMC 63, eine DMC 103 sowie eine DMU 160 für Palettengrößen von 1.600 Millimetern) erlauben auch das Nacharbeiten der Schweiß- und Blechkonstruktionen, um etwa präzise Bohrungen zu setzen oder Schweißnähte zu überfräsen. Die beiden NEF-Zyklendrehmaschinen nutzt Siro zur Herstellung zylindrischer Anschweißteile. Auch der große Glühofen, in dem die Schweißbaugruppen zum Entspannen gestellt werden, gehört zur umfassenden Fertigungseinrichtung. Dass die Maschinen arbeiten, zeigt der Blick in die Fertigung eindrucksvoll. »Wir sind voll ausgelastet«, so Organisations­talent Siegfried Roßfeldt. _

BackgroundSiro in Zahlen

Gründung _ 1997
Geschäftsführender Gesellschafter _
Siegfried Roßfeldt
Standort _ Zerbst
Personal _ 245 Mitarbeiter
Produkte _ Energiecontainer, Schaltschränke, Handlingsysteme, komplette Maschinenumhausungen/-verkleidungen, Baugruppen, Hauben, Türen, Wannen, Frontabdeckungen. Eingussteile für Maschinengrundkörper u. Zubehör. Schweißen, Sägen, Zuschnitte (Laser), Blechverformung sowie Farbgebung (Pulverbeschichtung), komplette Kühl- und Hydraulikaggregate sowie komplette geschweißte Maschinenbetten für Bearbeitungszentren.
Umsatz _ 18 Mio. Euro (Stand: V-IST 2006)

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