Wie erfolgreich ein EVU künftig auf dem Markt ist, hängt auch davon ab, wie verständig es die Möglichkeiten ausschöpft, die Smart Metering ihm bietet. Dabei haben kleinere und mittlere Querverbundversorger in der ersten, noch zögerlichen Marktphase einige strukturelle Vorteile: Sie können zum einen eine integrierte Rollout- und Vertriebsstrategie durchführen und zum anderen durch ihre Größe einen flächendeckenden Rollout in ihrem Versorgungsgebiet in sehr kurzer Zeit realisieren – und so den Markt mit Smart-Metering-Produkten frühzeitig besetzen. Denn ein wirtschaftlicher Messstellenbetrieb mit digitalen Zählern ist nur dann möglich, wenn neue Tarife und Produkte entwickelt werden.
Die Produkte sollten daher so exakt wie möglich auf die verschiedenen Kundensegmente maßgeschneidert werden. Auf Basis der bevorzugten Zielgruppen für Smart Metering, die in der zweiten LBD-Studie erarbeitet wurden (jüngere Singles, Doppelverdiener ohne Kinder, Familien mit Kindern im sogenannten modernen Mainstream, ältere Aufgeschlossene in der postfamiliären Phase und ökologisch Sensibilisierte), legt die vorliegende Forschungsarbeit nun einen Baukasten vor, mithilfe dessen Produkte generiert werden, die den einzelnen Kundengruppen und ihren jeweiligen Erwartungen an den Nutzen der intelligenten Zählertechnik exakt entgegenkommen.
Das EVU kann mit dem Produktbaukasten einerseits komplette Produkte vorkonfigurieren und andererseits Elemente bestimmen, die der Kunde zur Vervollständigung der Produkte frei wählen und hinzufügen kann.

Vorkonfigurierte Produkte
Für die erste Marktphase schlägt die Studie drei mögliche vorkonfigurierte Produkte vor, die sich noch zielgruppengerecht zu sieben weiteren Produkten abwandeln lassen: Smart Basic, Smart Green und Smart Service.
Das Basic-Produkt richtet sich an Kunden, die kein großes Interesse an Smart Metering haben, aber die neue Technologie ohne viele Extra-Funktionen ausprobieren möchten. Smart Basic bietet über ein Web-Portal Verbrauchsinformationen und -auswertungen zu momentanen und vergangenen Verbräuchen sowie zu den aktuellen Kosten. Der Tarif ist zunächst ein herkömmlicher Eintarif. Entsprechend dem geringen Leistungsumfang werden die Kunden nur einen geringfügig höheren Preis zahlen wollen. Dieser sollte daher nicht wesentlich über dem Einsparpotenzial liegen.
Smart Green richtet sich an das wachsende Segment der ökologisch Sensibilisierten. Zum Verbrauch werden vielfältige Auswertungen über das Web-Portal und optional über Smartphone-Applikationen oder Widgets angeboten. Als Unterstützung für die selbstständige Steuerung seines Energieverbrauchs erhält der Kunde Informationen per SMS, E-Mail oder über das Internet.
Zusätzlich zu den Standard-Auswertungen sind bei diesem Produkt Vergleichsanalysen enthalten, die den CO2-Fußabdruck des Kunden auswerten und seinen Energieverbrauch mit dem anderer Kunden vergleichen. Für dieses Produkt schätzt die Studie die Zahlungsbereitschaft der Zielkunden höher ein, da sie aufgrund der vielfältigen Auswertungen und Beratungsangebote einen spürbaren Mehrwert erhalten.
Smart Service richtet sich als Komfortprodukt vor allem an das Segment der älteren Aufgeschlossenen in der postfamiliären und postberuflichen Phase, die ihr Leben mit Hilfe von Technik und Dienstleistungen komfortabler gestalten wollen, sowie an verbrauchsstarke Kunden. Smart Service sollte als Multi-Utility-Produkt konzipiert werden, entsprechende Auswertungen sowie die kombinierte Abrechnung für alle Energiearten sind enthalten. Die persönliche Energieberatung, eine kostenlose Telefon-Hotline, ein einfach anzuwendendes Energiespar-Paket, ein regelmäßiges Service-Magazin zu Themen rund um Energieverbrauch und Effizienz sowie die Analyse von Energiefressern runden dieses ›Rundum-sorglos-Paket‹ ab.
Mittelfristig, so die Studie, sollte dieses Produkt mit weiteren Leistungen zu Haussteuerung, Alters- und Sicherheitsservices in Richtung Home Automation weiterentwickelt und ausgebaut werden. Für den spürbaren Mehrwert an Service und Komfort wird die Zielgruppe eine gewisse Zahlungsbereitschaft zeigen, die über das Einsparpotenzial hinausgeht. Für die Multi-Utility-Anbindung können EVU eine zusätzliche Einrichtungsgebühr verlangen.

Fokus auf basic und green
Die Studie untersucht die Produkte und ihre Varianten ausführlich auf ihre Wertpotenziale. Hierfür sind neben Zahlungsbereitschaft und Größe der Zielgruppe auch die Kosten ausschlaggebend. Die größten Kundengruppen mit einem Bevölkerungsanteil von jeweils 10 % finden die Produkte Smart Basic und Smart Green. Diese Kunden sind bereit, 20 bis 60€ pro Jahr für Smart Basic beziehungsweise 45 bis 105 € pro Jahr für Smart Green zu bezahlen.
Für Smart Service sind circa 5 % der Kunden bereit, zwischen 55 und 105 € pro Jahr zu bezahlen, zuzüglich einer einmaligen Gebühr von 200 €. Diesen Umsatzpotenzialen stehen allerdings noch die Kosten gegenüber: Für Smart Basic sind dies 35 € pro Jahr, für Smart Green 70 €. Für das Komfortpaket Smart Service fallen jährlich 70€ und einmalig 200 € Kosten an. Insgesamt ergeben sich für diese drei Beispielprodukte Wertpotenziale von -15 bis +35 € pro Kunde und Jahr (siehe Tabelle).
Die zum Teil negativen Salden sind, laut Studie, in der ersten Marktphase eine natürliche Begleiterscheinung und zeigen, dass die EVU vor allem zu Beginn erhebliche Investitionen in Produkte, Technik und Infrastruktur tätigen müssen. Diese unternehmerischen Risiken sind in einer mittelfristigen Businessplanung zu berücksichtigen. Schon die zweite LBD-Studie empfahl daher, Messstellenbetrieb und Messung mittelfristig an spezielle Dienstleister auszugliedern, die eine optimale Finanzierung sichern und ›Stranded Investment‹ vermeiden.
Auf Basis der Ergebnisse dieser Studienreihe hat die EVB Energy Solutions daher das Dienstleistungskonzept Smart Meter Operator (SMO) entwickelt. Ein EVU kann im Rahmen eines Smart-Metering-Konzepts mit einem SMO-Dienstleister einen wirtschaftlichen Messstellenbetrieb mit einer über Jahre hinaus klaren Kostenstruktur und die Entwicklung innovativer Smart-Metering-Produkte realisieren. Denn bei einem raschen Rollout machen sich zum einen Skaleneffekte und Synergien positiv bemerkbar. Zum anderen lassen sich die Potenziale durch Prozesseffizienzen von durchschnittlich rund 18€ pro Kunde und Jahr realisieren und tragen so zur schnelleren Amortisation bei. Zudem werden sich die Kosten insbesondere bei Dienstleistungen aufgrund der abzusehenden Marktdynamik in Zukunft stark reduzieren.
Die Studie ›Umsetzbare Smart-Metering-Produkte – eine Handreichung für Energielieferanten‹ wurde von der Beratungsgesellschaft LBD im Auftrag der EVB Energy Solutions und Alcatel Lucent erstellt. Sie kann, ebenso wie die ersten beiden Forschungsarbeiten, über die Homepage www.evb.net/studie zum Preis von 600€ bestellt werden, teilt das Unternehmen mit. <
www.evb.net
www.lbd.de