Doch ohne vorherige Simulation im Computer wird heutzutage kein Autohersteller einen Stahl einsetzen. Das Freiburger Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM hat nun eine neue Computersimulation für sogenannte
TWIP-Stähle entwickelt, mit der ihre Eigenschaften besser vorhergesagt werden können.
»TWIP-Stähle sind stärker verformbar als herkömmliche Stähle und werden zusätzlich bei der Verformung extrem fest«, erklärt der Physiker Aruna Prakash vom Freiburger Fraunhofer-Institut. Dadurch können die Bauteile in einer Karosserie
dünner und leichter konstruiert werden. Bei einem Unfall schützen sie dennoch die Insassen genau so gut wie die herkömmlichen Bauteile oder sogar noch besser.
Die Abkürzung TWIP steht für ›twinning induced plasticity‹ und bedeutet, dass sich in den Kristallen, aus denen der Stahl aufgebaut ist, während der Verformung sogenannte Zwillinge bilden. Diese Zwillinge sind entscheidend für die guten Verformungseigenschaften des Stahls und gleichzeitig auch die Herausforderung für die Simulation.
»Dieser einphasige Stahl kann bei einem Crash deutlich mehr Energie aufnehmen als übliche Stahlsorten oder Aluminiumlegierungen«, so Aruna Prakash. Dadurch werde die Wucht des Aufpralls für die Insassen gemildert. Mit der IWM-Simulation könnten die Autohersteller und ihre Zulieferer jetzt das Verhalten des Stahls vorhersagen und die Bauteile optimal auslegen. »TWIP-Stahl steht nun an der Schwelle zum Großeinsatz«, sagt der IWM-Physiker.
In Zusammenarbeit mit seinen drei Kollegen Thomas Hochrainer, Eduard Reisacher und Hermann Riedel hat Aruna Prakash eine verbesserte Berücksichtigung der Zwillingsbildung in Textursimulationen von TWIP-Stahl erreicht. Die dazugehörige Veröffentlichung war der Zeitschrift ›steel research international‹ einen Preis wert: Im September 2009 erhielten die Autoren den ›Best Paper Award 2008‹.
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