Die Orientierungsberatung zeigt, wo grundsätzlich energetische Einsparpotenziale im eigenen Unternehmen liegen sowie welche Maßnahmen sinnvoll sein können. Sie wird mit 80 % bei einem maximalen Tageshonorar in Höhe von 800,00 Euro pro Tag und über maximal zwei Honorartage hinweg von der KfW gefördert. Damit weiß man für wenig Geld in groben Zügen, wo man wie viel Energie sparen kann.
Detailberatung gefällig?
Will man die Vorschläge aus der ersten Beratung auf ihre Umsetzungsfähigkeit hin überprüfen, so kann man eine Detailberatung beauftragen, die konkrete Maßnahmenvorschläge als Ergebnis hervorbringt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass bei einer energetischen Sanierungsmaßnahme bei neuen Anlagen nachweislich 15 % Energieeinsparung erreicht werden müssen und bei bereits bestehenden Anlagen 20 %. Das kann konkret von der energieeffizienten Beleuchtung, über die optimierte Klimatisierung, die Abwärmenutzung und sogar bis hin zur Veränderung von Produktionsprozessen führen. Diese Detailberatung wird ebenfalls von der KfW gefördert. Der Förderungsrahmen ist auf maximal zehn Beratungstage begrenzt. Zugrunde gelegt wird hier ebenfalls ein kalkulatorisch gedeckelter Tagessatz von 800,00 Euro netto pro Tag, der zu 60 % über das Programm übernommen wird. Mit den Ergebnissen dieser detaillierteren Situations- und Maßnahmenanalyse sollte man imstande sein, konkrete energetische Sanierungskonzepte zu konzeptionieren und zu diskutieren. Bei dem KfW-Programm ist zu beachten, dass es auf die energetische Optimierung von Betrieben ausgerichtet ist, nicht auf die finanzielle Optimierung. Der Aspekt der Finanzen bei dem Programm wird im Grunde alleine durch die Bezuschussung der Beratungsleistung sowie die möglichen zinsvergünstigten Kredite abgedeckt.
Sorgfältig Ganzheitlich prüfen
Nüchtern ausgesprochen bedeutet das für den Unternehmer, dass er die sicherlich sinnvollen Vorschläge für eine energetische Sanierung im Betrieb auch sorgfältig auf den betriebswirtschaftlich-steuerlichen Prüfstand stellen muss. Denn was hilft es im Einzelfall, energetisch mustergültig saniert zu sein, aber dadurch finanziell unter Druck zu geraten? Auch der ›zinsbegünstigtste‹ Kredit muss bedient und in der betrieblichen Kostenrechnung zutreffend abgebildet sein. Man denke hier beispielsweise an die Situation mittelständischer Automobilzulieferer, die heutzutage turnusmäßig nicht mehr über Preiserhöhungen, sondern über den Satz einer Preissenkung verhandeln müssen und ihre Produktionsprozesse kontinuierlich optimieren. Oder die Unternehmen in Branchen mit unsicherer Marktentwicklung und wesentlich die finanzielle Situation eines Betriebes selbst, die bekanntermaßen sehr unterschiedlich ausfallen kann.
Damit wird deutlich, dass das KfW-Programm, das in seinem Kern in jedem Falle interessant und prüfenswert ist, zwingend ganzheitlich gesehen werden muss. Das heißt, die Maßnahmen nicht allein energetisch-technisch zu analysieren, sondern fachlich so weit gefasst, aber engmaschig vernetzt, dass eine abgesicherte Investitions- und Betriebsanalyse, auf einer nüchternen betriebswirtschaftlichen Betrachtung erfolgt. Sie sollte beispielsweise die Kostenstruktur, Kostenrechnung, Bilanzen, Gesellschafterstruktur, finanzielle Kraft oder auch das eigene Rating bei den Banken realistisch berücksichtigen, um zu sehen, wie sich das Gesamtsystem Unternehmen unter einer neuen Finanzierung verhält. So kann es dann durchaus zu der abschließenden Fragestellung kommen, ob eine energetische Sanierung, die Geld kostet, zu einer Verbesserung des Ratings führen kann, oder nicht.
Die Spitze einbinden
Heiner Kucks, Diplomingenieur aus Aachen, der ursprünglich im Bereich der Thermodynamik und Raumfahrt arbeitete, ist heute Berater für die energetische Sanierung von Unternehmen tätig und vom Bundesamt für Außenwirtschaft (BafA) zertifiziert. Er sieht die Notwendigkeit bei der energietechnischen Beratung, von Beginn an auch die Geschäftsleitung und die Führungsmannschaft mit einzubeziehen und die Bearbeitung nicht nur an die Fachleute im Betrieb zu delegieren. Kucks: »Für den Unternehmer heißt das, sich bereits im Vorfeld damit thematisch weit verästelt auseinanderzusetzen, um festzustellen, wie sich die ›energetische Landkarte‹ seines Betriebs darstellt. Denn später folgende Maßnahmen, die in der fachlich-operativen Ebene greifen, können die Investitionsstrategie und Unternehmensprozesse durchaus dauerhaft beeinflussen, was zwangsläufig bedeutet, es ist ein Teil Unternehmensentwicklung und damit eine Aufgabe des Managements.« Zudem sind seiner Erkenntnis nach dadurch klarere und zügigere Entscheidungen umsetzbar, weil sich das Selbstverständnis der Unternehmensführung mit den operativen Maßnahmen unmittelbar verbindet. Das Prinzip der durchgängigen personellen Einbindung ist bei den KMU im Grunde für die unterschiedlichsten Unternehmensarten und -größen gleich.
Mitarbeiterideen mit einbeziehen
Ob es sich um einen Apparatebauer mit 20 Mitarbeitern oder um eine große Druckerei mit 500 Mitarbeitern handelt, die Geschäftsführung ist hier zumeist direkt in das Geschehen eingebunden. Diese Durchlässigkeit von Informationen trägt zudem dazu bei, dass sehr häufig die Ideen von Mitarbeitern an den Maschinen umgesetzt werden. Aufschlussreich ist generell der Blick auf den Anteil der Energiekosten an den betrieblichen Gesamtkosten und den aufzubringenden Kosten für eine Sanierung. Bei aller Einsicht für Energiesparmaßnahmen muss die betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeit gesichert sein, sprich, die Sanierung »muss sich rechnen«. Bei Ersatzinvestitionen ist es gelegentlich »denksportlich« interessant, einmal eine energetische Bilanzhülle um ein Produkt oder eine Anlage, über deren Betriebszeit und prognostizierten Energieeinsatz zu legen. Denn deren Herstellung und Transport benötigt gleichermaßen Energie und so kann es sein, dass ein im Betrieb wenig eingesetztes »Schätzchen« zwar lokal optimiert einen unzeitgemäßen Wirkungsgrad besitzt, aber gesamtenergetisch deren Einsatz weiterhin sinnvollerweise gerechtfertigt ist.
Vollständige Kostentransparenz
Bei einem PKW gehen übrigens grob zwei Drittel des Energieaufwands in dessen Herstellung und sind damit verbrauchsunabhängiger Aufwand. Das verbleibende Drittel ist dem Kraftstoff vorbehalten — eine deutlich längere Nutzungsstrecke von Fahrzeugen wäre rein — energetisch betrachtet — positiv. Oder, widmet man sich etwa der Wirtschaftsbilanz eines Unternehmens (www.bundesanzeiger.de), verbunden mit dessen Geschäftsbericht, dann kann die Position, die die gesamten Energiekosten ausweist, mit der Menge der insgesamt hergestellten Produkte ins Verhältnis gesetzt werden. Der Nutzen dieser weit gefassten Bilanzanalyse ist nämlich der, dass sämtliche Aufwendungen, die zur Herstellung anfallen — inklusive Heizkosten für die Verwaltung — berücksichtigt werden.
Zur eigenen Bilanz
Da man die Aufwendungen für Energiekosten in eingesetzte Energie umrechnen kann, erhält man aus der Wirtschaftsbilanz schnell eine erste, angenäherte Energiebilanz. Gerade bei den Herstellern, die nur eine Gruppe von Produkten wie herkömmliche Photovoltaikzellen herstellen, kann man so eine aufschlussreiche Energietransparenz erlangen. Es ist und bleibt eben ein Unterschied, ob man den Energieaufwand alleine für den reinen maschinellen Produktionsaufwand betrachtet, oder den Gesamtenergieaufwand des Unternehmens. Grundlegend für eine energetisch-betriebswirtschaftliche Optimierung eines Betriebs ist, das breite Verständnis für die Zusammenhänge zu fördern und damit ein allgemeines Gespür für das Thema zu entwickeln. Letztlich ist das ein Aspekt, der beim Lean Management erfolgreich Anwendung findet. Mit dieser Methode lässt sich im Betrieb die Verschwendung ohne Weiteres oft im Bereich zwischen 20 % und 40 % vermeiden. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe von bbr.
Herbert J. Joka