SEPTEMBER
06.2010


 

Kunst im Licht


Luxmate-Steuerung für Museums-Beleuchtung

In Museen gibt es klare Vorgaben, unter welchem Lichtanteil Gemälde oder Grafiken gezeigt werden dürfen. Handelt es sich um ein Tageslichtmuseum, das den Anspruch hat, die Grenzen zwischen innen und außen verschwimmen zu lassen, sind Licht- und Elektroplaner sowie umsetzende Unternehmen stark gefordert. Im Neubau der Sammlung Frieder Burda in Baden-Baden realisierte Zumtobel Staff mit einer Luxmate-Steuerung eine ungewöhnliche Lichtlösung und löste damit ein Paradoxon.

Als bei Frieder Burda, Sohn aus dem Verlagshaus Burda, der Wunsch heranreifte, seine Sammlung von 500 Werken der zeitgenössischer Kunst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, war für ihn eines klar: Es musste ein Tageslichtmuseum werden. Inmitten der 40 Hektar großen Parkanlage, der Lichtentaler Allee in Baden-Baden, entstand nach den Plänen des renommierten New Yorker Architekten Richard Meier ein Museum, das bereits in der kurzen Zeit seit der Eröffnung zu einer Art Pilgerstätte wurde. Nicht nur für Kunst- und Architekturliebhaber, sondern auch für Interessierte aus dem Bereich Licht und Steuerung. Die immer wieder nachgefragten und bereits zahlreich stattgefundenen Führungstermine zum Thema Lichtlösung in der Sammlung Burda zeigen, dass hier eine beispielgebende Technik im Bereich Tages- und Kunstlichtmanagement eingesetzt wird, die auch Kenner der Lichtbranche verblüfft. Als Baumaterial wählte Richard Meier Stein, Stahlbeton, Glas und Licht, wobei er dem Licht eine Schlüsselfunktion zukommen ließ. Sowohl auf der Ost- wie auf der Südseite des Gebäudes, werden die weißen Steinflächen von Glasfronten unterbrochen.

Kunstlicht ergänzt das Tageslicht automatisch
Die Lichtplanungspartner Lichtimpulse, LX.on light and airdesign standen mit Zumtobel Staff vor einer schwierigen Aufgabe: Die Architektur sah vor, den Innenräumen soviel Tageslicht und Transparenz nach außen wie möglich zu erhalten. Gleichzeitig sollten aber auch die äußerst empfindlichen Kunstwerke vor der zerstörerischen Kraft des Tageslichts ausreichend geschützt werden.
Bauherr, Architekt und der Anbieter für Lichtlösungen entschieden sich für ein Tageslichtmanagement. Eine besondere Herausforderung war der südseitig verglaste große Saal im Erdgeschoss. Er ist über zwölf Meter hoch und wird durch ein freistehendes Zwischengeschoss in zwei Ebenen unterteilt. Um in diesem Raum Bilder und hoch empfindliche Grafiken auszustellen, darf die höchst zulässige Lichtmenge von 250 Lux für Gemälde, sowie 70 Lux für Grafiken nicht überschritten werden. Insbesondere bei Leihgaben wird das Einhalten der Norm sorgfältig überprüft. Um den Wunsch des Bauherrn nach Tageslicht und gleichzeitig das Einhalten der erlaubten Lichtwerte zu erfüllen, wurde ein Sonnenschutz- und Tageslichtlenksystem eingesetzt. Feststehende Glaslamellen in Kombination mit gesteuerten Innenbehängen steuern den Tageslichteinfall. Die speziell entwickelten Glas-Querlamellen mit weißer Bedruckung absorbieren das direkte Sonnenlicht, der Neigungswinkel der Glasflächen sorgt für die exakte Einlenkung von diffusem Tageslicht ins Innere des Raumes. Je nach festgelegter Lichtmenge im Ausstellungsraum werden Innenrollos mit einem Transmissionsgrad von 12,5 Prozent oder einer Transmission von 2,5 Prozent bei Bedarf vom Luxmate-Steuersystem heruntergefahren.

Lichtbänder für konstante Werte
Wichtig für den Kunstbetrachter ist die gleichmäßige und gleich bleibende Beleuchtung des Ausstellungsstücks. Um die Beleuchtungsstärke im großen Saal der Sammlung Frieder Burda in Abstimmung mit dem Tageslicht konstant auf dem voreingestellten Wert zu halten, sind vier Lichtbänder in die Decke eingesetzt. Sie versorgen den Raum mit wahlweise warmweißem oder neutralweißem Licht von Leuchtstofflampen. Zwei Lichtfarben ermöglichen die jahreszeitlich bedingte Außenstimmung der Natur im Gebäude nachzuempfinden und darüber hinaus die vorherrschende Bildfarbe eines Geschosses zu untermalen. Dezent integriert sich die lichttechnische Lösung für die gleichmäßige Ausleuchtung der zwölf Meter hohen Wände im großen Saal. Das von Zumtobel Staff eigens für diese Ausleuchtung entwickelte Wallwasher-System ist seitlich im Bodenbereich des freistehenden Zwischengeschosses installiert.

Zutaten und Zubereitung
Spannend stellt sich auch die Lichtlösung im großen Raum im Obergeschoss dar. Die präsentierten Kunstwerke werden von einer Lichtdecke beleuchtet, die auf unterster Ebene aus Lamellen besteht, die sich je nach Blickwinkel zur homogenen Fläche schließt oder nach oben völlig transparent wird und damit die Sicht auf den Himmel freigibt. Über dieser Ebene befindet sich ein etwa zwei Meter hoher Lichtraum, in den das Tageslicht über umlaufende Seitenfenster einfällt. Die gesteuerten Umlenklamellen im Isolierglas der Fenster bestimmen den Lichteinfall, ein Tageslichtmesskopf liefert die Daten an einen Rechner. Um die gewünschte Beleuchtungsstärke im darunter liegenden Ausstellungsraum konstant zu gewährleisten, befinden sich im Zwischenraum von Lamellendecke und Dach ergänzend Lichtbänder mit Leuchtstofflampen. Dieses Kunstlicht flutet neben dem Direktlichtaustritt die darüber liegende Dachinnenfläche und bewirkt eine harmonische Ausleuchtung der Lamellenebene im Ausstellungsraum.
Diese ausgeklügelte Lösung, das Tageslicht einzufangen, es über Umlenklamellen zu dosieren und letztlich eine Gleichmäßigkeit über eine Kunstlichtergänzung zu erreichen, wird durch das eingesetzte Luxmate System möglich.

Für jedes Bild individuelles Licht
Kennzeichen moderner Bauten ist ihre Flexibilität. Auch im Haus der Sammlung Frieder Burda ist alles möglich. Sollte ein Kurator sich für zusätzliche Stellwände entscheiden, erlaubt das weich abstrahlende Lichtkanalsystem deren Aufstellung in allen möglichen Bereichen und Abständen. Angebrachte Spots akzentuieren auf Wunsch einzelne Kunstwerke. Da alle Leuchten - mit Ausnahme der Hochdrucklampen - Dali-EVG-adressierbar sind, können sie einzeln angesteuert werden. Gruppenweise lassen sich Lichtstimmungen passend zum Kunstwerk verändern. Ausgerüstet mit einem Wireless-Laptop stellen die Haustechniker die gewünschte Lichtstimmung für jedes einzelne Kunstwerk ein. Das Kernstück aller Steuerungsvorgänge im Bereich Licht und Behänge ist der Room Automation Rechner, der von einem Tageslichtmesskopf auf dem Dach des Gebäudes mit Werten über den Himmelszustand gespeist wird. Überwacht wird die Anlage an der Grafischen Oberfläche eines eigenen TCPIP-Technik-LAN-Netzes mit OPC-Server und über das Scada Wireless-Notebook. Die weiteren Steuerungen für Klima, Heizung und Lüftung sind ebenfalls am OPC-Server angeschlossen. Die Anzeige eines Lampendefektes auf der zentralen graphischen Oberfläche erspart eine zeitaufwändige Fehlersuche. Miteingebunden in die Steuerung ist die Notlichtbeleuchtung Onlite, deren automatisch generierte Testergebnisse ebenfalls direkt an der selben Oberfläche abgelesen werden können.


FAZIT
Mit der umgesetzten Lichtlösung im Museum der Sammlung Frieder Burda wurde bewiesen, dass Kunstbetrachtung, Kunstgenuss unter Tageslicht möglich ist. Es kommt nur auf das Zusammenspiel der beteiligten Systeme an - und auf eine intelligente Steuerungstechnik wie Luxmate von Zumtobel Staff, die das Zusammenspiel ermöglicht.

Ausgabe:
g+h 06/2005
Unternehmen:

 

 

 

 


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